Respekt?
Es ist wieder die Weihnachtszeit, leider Zeit für viele Nächstenliebe zu heucheln. Ist es da nicht geradezu passend über respektvolle Behandlung anderer Menschen zu sprechen?
2005 hat bei mir viel verändert und ich habe sehr viel gelernt. Vor allem, über respektvolle Behandlung anderer Menschen in einem sehr speziellen Falle: Der Beziehung zwischen Mann und Frau.
Ich will gleich vorneweg sagen, dass ich mich nicht traue, den moralischen Zeigefinger zu erheben. Das würde vorraussetzen, dass ich allgemeingültige Ideale selber einhalten und vertreten müsste. Inwiefern ich mit diesen in meiner persönlichen Einstellung übereinstimme, kann und wage ich nicht wirklich zu beantworten.
Ich weiß nur seit diesem Jahr wie es ist, jemanden abgöttisch zu lieben, ihn zu vergöttern, alles für ihn tun zu wollen,… Dadurch mag meine Sicht auf die Dinge etwas verschoben sein, aber gerade dadurch fällt mir die Problematik wesentlich stärker ins Auge.
Ich komme auf dieses Thema, weil mir in letzter Zeit besonders von den weiblichen Vertretern unserer Spezies öfters über die Gründe für ihr Vertrauensverlust in die Herren der Schöpfung berichtet wurde. Die Geschichten sind teilweise sehr übel und erweckten in mir Momente der Scham für mein Geschlecht.
Nach meiner Definition beinhaltet Respekt in der Beziehung offene Ohren und Augen für den anderen, die Bedürfnisse des Partners (sofern in vernünftigen Grenzen) zu achten, Kompromisse einzugehen und dabei sich selbst treu zu bleiben und die Schwächen und Stärken seines Gegenübers zu erkennen, zu kennen und auf sie entsprechend zu reagieren. Damit meine ich nicht, sie auszunutzen oder zu missbrauchen, sondern gezielt den Partner zu unterstützen. Wenn beide Parteien dies beachten, wird man dafür von der Gegenseite Vertrauen und Zuneigung ernten. Zum Respekt gehört aber auch, sich gegenseitig Freihheiten zu gewähren – sei es im Hobby oder mit Freundschaften – und gleichzeitig zu vertrauen, denn falls der Partner schon bei der nächsten Gelegenheit fremdgehen oder das Vertrauen anderweitig missbrauchen sollte, ist es eine Überlegung wert, ob diese Beziehung überhaupt sinnvoll ist und wie weit es mit ihr her ist. Eines ist klar: Den Partner in den goldenen Käfig zu sperren und ihm aus vermeintlicher Liebe alles abzuwürgen, was der Liebesidylle Schaden zufügen könnte ist nicht gerade etwas, dass allgemein als Repekt bezeichnet werden könnte.
Aber derartige Dinge sind um mich herum schon passiert und seitdem ich so verliebt bin, reagiere ich sehr sensibel und mit völligem Unverständnis auf sie. Klar sind diese Dinge verzeihlich, aber dies setzt vorraus, dass man Fehler einsieht, dafür gerade steht und die Konsequenzen akzeptiert und trägt. Einige Vertreter unserer Spezies schaffen es aber nicht, genügend Schneid aufzubringen, ihr Fehlverhalten einzusehen. Einige rechtfertigen es sogar mit mentalen Problemen oder gar ihrer schon immer vorhandenen sozialen Inkompetenz, ohne aber wirklich den Willen zu haben, daran etwas zu ändern. An dem Punkt verstehe ich nicht, warum sogar eine gereichte Hand des Partners zwecks einer therapeutischen Maßnahme weggeschlagen wird, wenn man damit sich und seiner Umwelt einen Gefallen tut. Sicher, man muss es in erster Linie für sich tun und wenn man es logisch betrachtet, wird man auch der erste sein, der davon profitieren wird. Aber welcher Ansporn ist schöner und motivierender, als am Ende die Zufriedenheit desjenigen, den man so richtig liebt? Vielleicht blockiert diese Menschen einfach die Bequemlichkeit, sich hinter ihren Problemen zu verstecken und nichts ändern zu müssen. Vielleicht lieben sie ihre Partner einfach nicht genug…
Wie ich bereits erwähnte, diese Dinge sind Menschen in meiner Umgebung zugestoßen. Sie wurden Opfer ihrer Partner und der emotionalen Bindung zu ihnen. In vielen Fällen scheint aber auch diese emotionale Bindung die Opfer zu lähmen und mehr einzustecken zu lassen, als sie wirklich vertragen. Da in den Fällen, die ich kenne, hauptsächlich Frauen die Opfer waren, kann ich nur sagen: Mädels, lasst es Euch nicht bieten! Ihr verschwendet Zeit und Energie! …auch wenn es sicher schwerfällt, loszulassen.
Ich bin sehr stark für einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem Partner, nach einer Trennung. Es heißt dann Zähne zusammenbeißen, aber im Endeffekt profitiert man davon, wenn man anschließend sich eher in Frieden verabschiedet, als im Gewissen, einen neuen Feind geschaffen zu haben. Gerade wenn man diesen Feind einmal geliebt hat. Zum Respekt gehört aber für mich auch dann, dass man erst recht akzeptiert, wenn der Ex-Partner den Kontakt nicht aufrecht erhalten kann oder will. Auch wenn man noch mit Wut durchtränkt oder die Liebe immernoch stark ist, so wird man im Endeffekt doch davon profitieren, weil man die Energie weder an daraus resultierende Konflikte, noch an Enttäuschungen durch zu späte Rettungsversuche verschwendet.
Für mich gehört zu einer Beziehung, dass man sich nicht nur liebt, sondern auch durch balanciert beidseitige Kompromisse (die man ebenfalls liebt) und Hochachtung des Partners eine Basis schafft, hinter der man stehen kann und dabei sich nicht selbst aufgibt. Sicher steht diese Vorstellung auf wackeligen Beinen, da ich hier eine sehr emotionale Sache subjektiv auf rationaler Ebene für mich selbst zu erklären versuche.
Aber vielleicht gibt es ja Menschen da draußen, die es ähnlich sehen, wie ich. Ich weiß nur, dass mich die Liebe zu meiner Partnerin und dem, was wir beide schon in so kurzer Zeit durchgestanden haben, sehr für das Thema sensibilisiert haben. Ich werde ihr nie garantieren, dass ich mich an meine eben genannten Ideale halte, aber ich werde mein bestes tun, sie einzuhalten! Sie hingegen lebt diese Ideale und ich bin wirklich sehr stolz, an ihrer Seite sein zu dürfen!
Frohes Fest wünsche ich Euch und besonders all den Opfern, die es nun schwer haben, zu vertrauen. Es gibt noch Hoffnung!
Euer
Thomas “Rajan” Ebeling
P.S.: Kiara, I löw you!
